Georg Friedrich Wolf

Odyssee – Sieben Tonnen erinnern an Homers Dichtung

Mit etwa hundert geflüchteten Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran arbeitete der Stahlbildhauer Wolf vier Monate lang in seiner Werkstatt. Dort lehrte er sie, eiserne Nägel zu schmieden, wovon sie einige Tausend fertigten. Aus Fremden wurden Freunde, weil man nicht nur zusammen arbeitete, sondern auch aß, trank, diskutierte und feierte. Der Eisennagel gilt als ältestes Verbindungselement und somit als Grundlage des menschlichen Fortschritts. Für den Bildhauer Wolf sind sie immer wieder zentrales Thema seines Schaffens, so auch beim Gesamtkunstwerks, „der Odyssee“, das er mit den Geflüchteten nach seinem Entwurf baute. Die sieben Tonnen schwere Skulptur, mit der man ein gescheitertes Floß assoziiert, hält alleine durch die zahlreichen, handgeschmiedeten Eisennägel.

Georg Friedrich Wolf erinnert mit dem kapitalen Floß „Odyssee“ an Homers gleichnamige Dichtung - als ein Synonym für eine nicht enden wollende Irrfahrt. „Ich wollte damit einen Anfang machen, mit der gemeinsamen Arbeit“, sagt er. Für den 55 Jahre alten Stahlbildhauer aus Südhessen ist Kunst eine besondere Form der Kommunikation: „Hinweg über Sprachen und Kulturen.“ Mit diesem Werk stelle er der Flüchtlingstragödie gemeinsam Erlebtes entgegen. Zudem trotzt dieses Floß den Wellen, trägt die Schönheit und Kraft menschlicher Brüderlichkeit in sich. Und wirklich strahle „Odyssee“ die enorme Energie aus, die jene Arbeiter durch die harten Monate brachte, trage aber gleichzeitig auch die Schwere der Verzweiflung, Ängste und Sorgen in sich. Letztlich soll aber der Blick auf die Hoffnung freigegeben werden: Weil man zusammen das gemeinsame Vorhaben stemmte. „All das, betont Wolf, steckt auch im Stahl der Nägel, der seit Jahrtausenden wieder-verwertet wird, und im alten Holz der Balken, die eine neue Bedeutung gefunden haben.“ Sie werden in den nächsten Jahrzehnten verrotten – zurückbleiben wird das Gerüst aus Eisenstreifen, „die Nägel werden zum Vorschein kommen, jeder Einzelne“.

Sibylle Maxheimer